Anders als der Großteil seiner Fahrerkollegen hat Kamui Kobayashi einen anderen Kurs als die „Ardennen-Achterbahn“ auf Platz eins seiner Hitliste

Kamui Kobayashi geht nach einigen Tagen Urlaub in seiner Heimat Japan mit neuer Energie in die zweite Saisonhälfte. Für die verbleibenden acht Rennen erwartet der Sauber-Pilot speziell gegen die zuletzt stark aufholenden Force-India-Piloten Paul di Resta und Adrian Sutil einen schweren Stand.

„Force India hat bei den zurückliegenden Rennen deutliche Fortschritte gemacht“, sagt Kobayashi. „Wir liegen immer noch vor ihnen, müssen uns aber ganz eindeutig verbessern, um auch dort bleiben zu können.“ Nach Aussage des Japaners kommt es für ihn und Teamkollege Sergio Perez jetzt darauf an, regelmäßig in die Punkteränge zu fahren. „Davon sind wir nicht allzu weit entfernt, bei den vergangenen Rennen ging jedoch fast immer irgendetwas schief.“

Eine Ursache für die gegenüber den regelmäßigen Punkteplatzierungen der ersten Saisonhälfte zuletzt abfallende Leistungskurve sieht Kobayashi in den niedrigen Temperaturen in Silverstone, auf dem Nürburgring sowie auf dem Hungaroring. „Die wechselnden Witterungsbedingungen bei den zurückliegenden Rennen kamen uns und unserem Auto nicht gerade entgegen. Wir warten schon seit geraumer Zeit wieder auf ein richtiges Hitzerennen“, sagt der Sauber-Pilot mit Blick auf die erwiesene „Reifenflüster“-Charakteristik des C30.

Nachholbedarf im Hinblick auf bessere Ergebnisse macht Kobayashi zudem im Qualifying aus. „Eine bessere Performance im Qualifying wäre sicher hilfreich“, hält er fest, schränkt gleichzeitig jedoch ein: „Andererseits fahren wir lieber von einer Position aus Q2 heraus mit frischen Reifen in die Punkteränge als bis in Q3 zu kommen und dann ohne frische Reifen dazustehen und im Rennen die Punkteränge zu verpassen.“ Ein guter Startplatz ist laut dem Japaner auf dem Papier zwar von Vorteil, „ist heutzutage aber nicht mehr alles in der Formel 1 – in der Vergangenheit kam dem Qualifying sicher eine größere Bedeutung zu.“

Nicht zuletzt dank DRS ist es inzwischen auch von weiter hinten in der Startaufstellung möglich, in die Punkteränge nach vorn zu fahren. In diesem Zusammenhang gibt Kobayashi allerdings zu bedenken: „In Ungarn war das Überholen trotz DRS sehr schwierig. Wie leicht einem das Überholen gemacht wird, hängt auch immer sehr stark davon ab, wie gut oder schlecht das Auto auf der jeweiligen Strecke funktioniert. DRS kann nur einen Teil dazu beitragen, aber nicht alles ausgleichen.“ Das Wichtigste ist nach Ansicht Kobayashis zunächst, „dass wir ein gutes Setup finden, mit dem wir schnell genug sind, um DRS richtig nutzen zu können.“

Während ihm das DRS-Verbot in Eau Rouge „nichts ausmacht“, wie er versichert, da Eau Rouge ohnehin keine Stelle zum Überholen sei, plant Kobayashi das System in der ultraschnellen Linkskurve Blanchimont einzusetzen. „Ich denke, dort sollte es möglich sein. Ich werde es auf jeden Fall versuchen“, sagt er.

Wie so viele Piloten findet der Sauber-Pilot im zweiten Jahr an der „Ardennen-Achterbahn“ in Spa-Francorchamps großen Gefallen. „Die Strecke ist wirklich fantastisch. Was mir nicht so gut gefällt, ist das Wetter hier. Das wird nach der Sommerpause wahrscheinlich jeder im Fahrerlager so sehen“, sagt Kobayashi und räumt mit einem Vorurteil auf. „Die beste Strecke der Welt ist Spa meiner Meinung nach allerdings nicht. Als Japaner muss ich da natürlich für Suzuka stimmen.“