Sauber-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn erklärt, wo Frauen in der Formel 1 im Vorteil sind, warum sie zu den Fahrern streng ist und nicht Golf spielen muss

Der Sauber-Rennstall hatte stets einen konservativen Ruf – teils zu unrecht: Denn mit der Österreicherin Monisha Kaltenborn ist Sauber das einzige Team, das eine Frau als Geschäftsführerin installiert hat. Dabei ist die zweifache Mutter eine Quereinsteigerin: Als sie ihre Studien der Rechtswissenschaften an internationalen Universitäten abgeschlossen hatte, war sie zunächst bei den Vereinten Nationen und in internationalen Kanzleien tätig, ehe es sie zur Fritz Kaiser Group – ein damaliger Sauber-Anteilseigner – verschlug.

2000 stieg Kaiser bei Sauber aus, Kaltenborn wechselte nach Hinwil und übernahm dort die Rechtsabteilung. Seit 2010 ist sie sogar Geschäftsführerin, wird immer wieder am Sauber-Kommandostand und bei den Besprechungen der Teamchefs – also in absoluten Männerdomänen – gesichtet. Doch wie reagieren die Männer auf sie?

“Ich denke nicht, dass sie mich als Eindringling sehen, und ich glaube auch nicht, dass sie irgendwas anders machen, nur weil ich da bin”, meint die gebürtige Inderin gegenüber ‘Formula1.com’. Nachsatz: “Das sollten sie auch nicht tun.” Dennoch gibt es hin und wieder Konflikte mit den Männern: “Sie benutzen dann Wörter, die sie sofort bereuen, und sie entschuldigen sich dann dafür.”

Kaltenborns Herangehensweise

Kaltenborn ist für ihre pragmatische Herangehensweise bekannt – auch in diesem Punkt unterscheidet sie sich womöglich von so manchem “Träumer” im Formel-1-Fahrerlager: “Wir haben interessante und wichtige Besprechungen, andere Besprechungen sind wirklich nur Zeitverschwendung – das gilt aber wahrscheinlich für jedes Business.”

Genau diesen Blickwinkel sieht sie selbst als Vorteil im Haifischbecken Formel 1. “Da die Formel 1 nicht das typische Interessensgebiet einer Frau ist – auch wenn die Statistiken zeigen, dass es steigt -, sehe ich es viel mehr als Business oder als Arbeit, die getan werden muss”, glaubt Kaltenborn.

Das ist nicht der einzige Vorteil des vermeintlich schwächeren Geschlechts in der Königsklasse des Motorsports: “Ich glaube, dass Frauen einen größeren Blickwinkel haben. Wir verharren nicht so sehr in unseren Positionen. Frauen haben keine Revierkämpfe. Natürlich will ich das Beste für mein Team herausholen, aber ich bin nur Teil des Gesamtbildes – und wenn das Gesamtbild gewinnt, dann tue ich es auch.”

Strenger Umgang mit dem Piloten

Das sei ein Ansatz, den viele Männer ihrer Meinung nach nicht nachvollziehen können: “Sie sehen eher ihre eigene Position. Dennoch ist es auch eine Frage der Position – wenn man in einer starken Verhandlungsposition ist, muss man nicht so viel Rücksicht auf die anderen nehmen. Ich glaube aber, dass eine Frau die Dinge selbst in einer starken Position anders sehen würde, denn auch wenn man stärker ist, braucht man die anderen für den Ausgleich.”

Die Sauber-Geschäftsführerin bringt einen interessanten Vergleich. “Wir müssen nicht Golf spielen. Uns gelingt es, unserer Arbeit in der Dienstzeit hinzukriegen”, lacht sie. Auch ihre Beziehung zu den Rennfahrern unterscheidet sich laut Kaltenborn im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen.

“Ich sehe das alles ein bisschen entspannter”, so die Sauber-Geschäftsführerin. “Und wenn es um Disziplin geht, dann bin ich viel strenger, schätze ich. Ich würde aber nicht soweit gehen und sagen, dass ich eine Art Mutterrolle einnehme, denn ich fasse mich nicht als so alt auf und sie sind nicht mehr so jung. Bei unseren Gesprächen gibt es kaum Konfrontationen, aber sie sind sehr klar. Ich bin in vielerlei Hinsicht etwas strenger, aber auch zugänglicher. Ich glaube, sie spüren, dass sie mit Problemen viel leichter auf mich zugehen können und dass ich zuhöre.”