Das Sauber-Team schnupperte in Montreal sensationell am Podium, letztendlich hatte Kamui Kobayashi gegen Rennende aber viel Pech

Als der Grand Prix von Kanada in der 25. Runde abgebrochen wurde, lag Kamui Kobayashi sensationell an zweiter Stelle. Der Japaner hatte sich im Regen sukzessive nach vorne gearbeitet und profitierte von den Boxenstopps der Konkurrenten vor ihm, während er selbst auf dem ersten Satz Regenreifen blieb – den er dann praktisch „gratis“ während der Unterbrechung austauschen durfte.

„Dass man bei den Verhältnissen überholen kann, ist schon erstaunlich. Es war ja nicht nur die Strategie, es war schon auch Kobayashi, der Fahrer überholt hat“, lobte Teamchef Peter Sauber seinen Schützling während der zweistündigen Pause. Bereits da dämmerte ihm: „Es ist viel zu früh, jetzt über das Podest zu sprechen.“ Dabei konnte Kobayashi seinen zweiten Platz bis in die 51. von 70 Runden verteidigen.

Der Traum vom Podium…

Letztendlich wurde noch Rang sieben daraus. Lohn dafür: sechs WM-Punkte. Sauber hatte insgeheim schon mit ein bisschen mehr geliebäugelt, aber vor dem Restart behauptet: „Ich nehme das so, wie es kommt. Ein abgebrochenes Rennen würde niemandem Spaß machen. Wenn es abgebrochen wird, nehmen wir es aber, wie es ist. Das würde dann zehn Punkte geben und ein Podium. Wäre super! Aber ich finde es auch gut, wenn wieder gestartet wird.“

Sein Technikchef James Key hingegen gab nach Rennende offen zu: „Ich bin schon enttäuscht.“ Gleichzeitig ist ihm aber auch bewusst, dass es nach einem katastrophalen Rennwochenende kein Weltuntergang ist, Siebter zu werden: „Es hätte schlimmer kommen können. Im Trockenen war unsere Pace nicht gut, aber wir glauben zu wissen, woran das liegt. Über Platz sieben können wir uns angesichts der Umstände nicht beschweren, aber es wäre halt mehr drin gewesen.“

Mit „angesichts der Umstände“ meint Key den erzwungenen Fahrerwechsel am Freitag (Pedro de la Rosa statt Sergio Perez), den Crash von Kobayashi am Freitagnachmittag, den Crash von de la Rosa am Samstagvormittag. „Es war ein schwieriges Wochenende, denn das Auto war nicht konkurrenzfähig und wir hatten ein paar ‚kleine‘ Störungen wie Fahrerwechsel und Unfälle. Also wünschten wir uns einfach ein sauberes Rennen“, grinst Key.

Fotofinish gegen Massa

Ab Runde 51 hatte Kobayashi kein Glück mehr: Erst verlor er wegen eines Fahrfehlers zwei Positionen in einer Runde, dann flog Jenson Button an ihm vorbei, schließlich knallte ihm Nick Heidfeld ins Heck. Später schlüpfte noch Witali Petrow durch und auf der Ziellinie hatte Massa um ein paar Zentimeter das bessere Ende für sich. „Platz vier oder fünf wäre drin gewesen – vielleicht sogar mehr, wenn die Safety-Cars nicht ständig den Vorsprung zerstört hätten“, glaubt Key.

Denn ohne Safety-Car-Phasen wären die schnelleren Autos möglicherweise gar nicht erst von hinten aufgeschlossen. „So waren Leute wie Webber und Button einfach schneller als wir“, gesteht Key. „Leider hatten wir dann beim Überrunden eines Virgin auch noch ein kleines Problem, sodass auch Petrow durchschlüpfte.“ Am allerwichtigsten aber: In der Konstrukteurs-WM hat Sauber nun schon 15 Punkte Vorsprung auf Platz sieben (Toro Rosso).