Peter Sauber hofft auf eine sportlich positive Saison und kann dabei auf ein besseres finanzielles Fundament aufbauen als vor einem Jahr

„Hätten wir in Melbourne nicht diese zehn Punkte durch eine Unaufmerksamkeit verloren, würden wir jetzt mit 17:16 immer noch vor Mercedes liegen“, rechnet Peter Sauber nach drei Saisonrennen im Schweizer ‚Blick‘ vor. Ärgerlich, denn so befindet sich sein Team nur noch an sechster statt an fünfter Stelle in der Konstrukteurs-WM.

Dass Mercedes unter normalen Umständen vor Sauber liegt, ist dem 67-Jährigen klar. Die direkten Gegner heißen dieses Jahr Toro Rosso, Force India und Williams. Auf Williams hat Sauber sieben, auf die anderen beiden Teams drei Punkte Vorsprung – noch lange kein Polster, auf dem man sich beruhigt ausruhen kann. Aber die Zielsetzung für diese Saison ist ungeachtet dessen klar: „Der sechste Platz ist Pflicht!“

Force India am gefährlichsten?

„Müsste ich nach drei Rennen eine Momentaufnahme machen, dann ist Force India dank des Mercedes-Motors und des erstaunlichen Neulings Paul di Resta für uns am gefährlichsten“, glaubt der Schweizer. Daher reagiert Sauber: Schon am kommenden Wochenende steht Kamui Kobayashi und Sergio Perez ein aktualisierter C30 zur Verfügung, in Barcelona bekommen die beiden dann auch erstmals das neue Auspuffsystem nach Red-Bull-Vorbild.

Ungeachtet der Disqualifikation von Melbourne ist das Hinwiler Team deutlich besser in die Saison gestartet als vor einem Jahr. Das liegt zum Teil sicher an Technikchef James Key, dessen Handschrift sich erst am 2011er-Fahrzeug erstmals ausgewirkt hat, aber auch an der verbesserten Sponsorensituation. Unter anderem ist es gelungen, mit Carlos Slim (Telmex) den reichsten Mann der Welt als Geldgeber zu gewinnen.

„Die Partnerschaft mit Telmex ist in diesem Jahr sicherlich das Schwergewicht, aber es gibt auch andere Sponsoren“, sagt Sauber gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘. Ob sich daraus eine ähnlich intensive Partnerschaft wie früher mit Petronas entwickeln kann, „wird sich zeigen. Die Partnerschaft mit Petronas ging außergewöhnlich lange. Es wäre schön, wenn wir mit Mexiko auch so etwas aufbauen könnten.“

Der malaysische Mineralölhersteller Petronas war von 1995 bis 2009 einer der wichtigsten Partner des Sauber-Teams, ab 2006 auch unter BMW-Flagge. Sauber und Petronas gründeten sogar die gemeinsame Firma Sauber Petronas Engineering (SPE), an der die Schweizer 60 und die Malaysier 40 Prozent hielten. SPE beschäftigte sich vor allem damit, die Ferrari-Kundenmotoren zu adaptieren, baute aber auch einen Motorrad-Prototypen.

Telmex: Fahrer statt Technik

So eine enge Partnerschaft plant Sauber mit Telmex nicht: „Hier geht es in eine andere Richtung“, spricht Sauber eher die Fahrerkomponente an. „Es gibt seit ungefähr zehn Jahren die Escuderia Telmex, mit der Telmex junge Fahrer zum Motorsport bringt. Das war in der Vergangenheit vor allem in den USA und in Mexiko der Fall, aber dann hat man vor ein paar Jahren angefangen, ein paar junge Fahrer nach Europa zu schicken.“

Ein mexikanisches Formel-1-Rennen würde Telmex (und damit auch Sauber) natürlich entgegenkommen, aber: „Das Thema Grand Prix in Mexiko ist immer wieder aufgetaucht. Wie aktuell das ist, weiß ich nicht“, meint Sauber und verweist darauf, dass ab 2012 „ganz in der Nähe“, nämlich in Austin, gefahren wird. Ein Grand Prix von Mexiko hätte eigentlich schon 2006 stattfinden sollen, der bereits unterschriebene Vertrag wurde aber nicht erfüllt.

Noch nicht ganz wie erhofft eingeschlagen hat in kommerzieller Hinsicht der Club One von Sauber, der laut Auskunft des Teamchefs „etwas verhalten“ begonnen hat: „Ich glaube, das hängt mit unserem sportlich schlechten Jahr zusammen. In der Schweiz haben wir Klubmitglieder. Jetzt müssen wir versuchen, das auch ins Ausland zu bringen. Aber zuerst haben wir uns jetzt voll auf die Sponsoren konzentriert“, so der 67-Jährige.