Eine der spannendsten Formel 1 Saisons in der Geschichte ist hinter uns. Zunächst erst mal ein Wort in eigener Sache. Ich möchte mich an dieser Stelle für die zahlreichen durchweg positiven Feedbacks, die aus aller Herren Länder bei mir eingetroffen sind bedanken. Es macht mich schon ein wenig stolz den Geschmack unserer offenbar Leser getroffen zu haben. Die vielen Informationen, die ich direkt von Sir Frank Williams Tochter Claire erhalten habe und nicht zuletzt Bernie Ecclestone, der mir auf meine Geburtstagswünsche geantwortet hat, haben mir grosse Freude bereitet. Beginnen wir mit dem Mann, der die Saison geprägt hat wie kein anderer, dem

Glückspilz und zugleich Pechvogel des Jahres:

Sebastian Vettel: 10 Mal auf Pole in einem Jahr stand letztmalig 2001 Michael Schumacher. Dazu noch 5 Siege auf der Haben Seite sprechen eine deutliche Sprache. Deshalb hat Sebastian Vettel auch verdient den Titel gewonnen. Was wurde er im Laufe des Jahres von der Regenbogenpresse nieder gemacht. Vom Crash Kid über dümmer geht’s nimmer, die zwei Red Bull Hornochsen und so weiter. Die Zeitung mit den 4 grossen Buchstaben ganz vorne mit dabei. OK, in Spa beim Unfall mit Button war er etwas zu stürmisch, in der Türkei den Zusammenstoss mit seinem Teamkollegen Webber werte ich mal mit 50:50. Was hat dieser Junge Pech gehabt. Rechnet man aber die technischen Defekte mit, wäre Vettel schon längst vorzeitig Weltmeister gewesen. Weltmeisterlich war, wie er seinen Red Bull mit gebrochener Bremsscheibe in Barcelona über fünf Runden ohne zu bremsen, nur mit der Motorbremse verzögert und sogar auf P3 noch aufs Podium fuhr! Sebastian ist der letzte, der einen Fehler nicht zugibt. Beispiele gibt es genug, wie in Australien 2009, als er kurz vor Schluss beim Crash mit Kubica einen sicheren 3. Platz verschenkt. Über Team Radio sagt er sofort: „Sorry – ich bin ein Idiot.“ Er ist eben eine grundehrliche Haut und deshalb lieben ihn seine Fans so sehr. Hätte Red Bull in Brasilien Webber per Teamorder nach vorne geholt, weil er zu diesem Zeitpunkt mehr Punkte auf seinem Konto hatte – Alonso wäre Weltmeister. Es gibt schlussendlich wohl doch eine übergeordnete Gerechtigkeit. So eine Achterbahnfahrt der Gefühle gab es noch nie. Nun hat Vettel einen Formel 1 Hattrick erreicht. Mit 21 Jahren ist er der jüngste Fahrer, der jemals auf Pole Position war (2008 im Toro Rosso), einen Tag später gewann er als jüngster F1 Pilot sein erstes Rennen (Monza im Toro Rosso). Jetzt ist er mit 23 Jahren, 4 Monaten und 11 Tagen auch noch der jüngste Formel 1 Weltmeister der Geschichte. Ein last Minute Weltmeister so zu sagen. Er hatte zuvor noch nie eine Weltmeisterschaft während der Saison angeführt, ausser am wichtigsten letzten Tag. Vettel ist gute fünf Monate jünger als Hamilton, der bei seinem Erfolg 23 Jahre, 9 Monate und 26 Tage alt war. Schönes Bild auf dem Podium in Abu Dhabi, die Weltmeister von 2008 (Hamilton), 2009 (Button) und 2010 (Vettel) stehen beim Letzten Rennen ganz oben. 2011 wird Vettel vom Jäger zum Gejagten, die Karten werden neu gemischt und mal sehen, wie er mit dieser Rolle fertig wird. Aber bitte lieber Sebastian, mach es nicht mehr so spannend. Solch ein Rennen wie in Abu Dhabi stehe ich nicht mehr durch!

Das Wunder des Jahres:

Eigentlich müssten es alle drei neuen Teams sein, aber dass HRT am Start in Bahrain aus dem Nichts zwei Autos hinstellt, grenzt schon an ein Wunder. Das erste freie Training geht mit nur einem Auto (Senna) und der arme Karun Chandhok kann vor dem Abschlusstraining gerade mal ein paar Runden drehen. Bis zur letzten Sekunde wird noch geschraubt. Dennoch Hut ab vor dieser Leistung des ganzen Teams!

 

 

Die Sensation des Jahres:

Nico Hülkenberg stellt seinen Williams in Brasilien auf die Pole Position – und wie! Unter schwierigsten Bedingungen brummt er Vettel 1,049 Sekunden auf. Teamkollege und Lokalmatador Barrichello hat um 1,733 Sekunden das Nachsehen! Nico hat mindestens genauso viel Potenzial wie Vettel. Schade, dass er seinen Platz bei Williams für 2011 verliert und durch einen Bezahlfahrer ersetzt wird. Die Anzeichen verdichten sich, dass Pastor Maldonado, amtierender GP2 Champion aus Venezuela, mit 15 Millionen Sponsorgelder im Rücken seinen Platz übernimmt. Er hat sich im letzten GP2 Rennen in Abu Dhabi nicht mit Ruhm bekleckert. Man sah deutlich, dass er mit seinem Kopf nicht bei der Sache war. Maldonado war 4 Jahre in der GP2, um endlich Meister zu sein. 2009 war er dort Teamkollege von Hülkenberg und hatte gegen ihn keine Chance. So etwas gehört verboten, denn die Formel 1 ist die Königsklasse im Motorsport und da sollten auch die besten und schnellsten Fahrer mitwirken und nicht die, mit der grössten Mitgift! Man kann die Leistung von Nico Hülkenberg nicht hoch genug einschätzen. Er ist Rookie des Jahres, kein Zweifel! Ein Neuling, der die meisten Strecken erst lernen musste und gleich im ersten Jahr schon eine Pole Position. Ein Vergleich mit anderen Neulingen vergangener Jahre hinkt, den beispielsweise ein Jaques Villeneuve 1996 bei Williams konnte über 30.000 Kilometer über den Winter testen und kam genau so wie ein Lewis Hamilton 2007, der Tag und Nacht bei McLaren im Simulator sass, zahlreiche Testfahrten absolviert hatte, auf einem Top Level in die Formel 1 und beide waren in der Lage sofort aufs Podium zu fahren. Ein Vitaly Petrov oder eben ein Nico Hülkenberg konnten bis auf 4 verregnete Tage in Barcelona überhaupt nicht testen, denn seit 2010 sind Testfahrten in der Formel 1 aus Kostengründen verboten!

Das Auto des Jahres:

Es ist nicht der Red Bull, sondern der Williams. Oftmals mit beiden Autos in den Top 10 der Startaufstellung und das mit einem untermotorisierten Cosworth Motor. Da stellt sich mir die Frage, wo Williams mit einem Mercedes Motor gelandet wäre? Ein sechster Platz in der Konstrukteurswertung ringt mir allen Respekt ab.

 

 

Steigerung des Jahres:

BMW hinterliess beim Sauber Team nicht nur den Namen, offiziell heissen sie BMW Sauber Ferrari, sondern auch mit dem längsten Auto im Feld auch eine Krücke. Es wird Zeit, dass der Name BMW aus der Formel 1 verschwindet. Ich kann nicht verstehen, dass BMW nicht wenigstens ihren ausserordentlich PS starken Motor zum Kauf zur Verfügung gestellt hat. Es wäre eine Alternative zu Cosworth für andere Teams gewesen. Zu Begin der Saison krebsen sie bei Sauber im hintersten Mittelfeld herum, doch was das Sauber Team an Steigerung während der Saison realisiert hat, ist aller Ehren wert. Wir bleiben beim Sauber Team und kommen zum

Überholer des Jahres:

Hobby Koch Kamui(kaze) Kobayashi: Es war herzerfrischend, wie der Japaner in Valencia in der letzten Runde Fernando Alonso gebügelt hatte, genau so wie die zahlreichen Überholmanöver bei seinem Heimrennen in Suzuka. Alguersuari hatte er gleich 2x versägt, 1x davon sogar aussen herum. Er gehört in die Formel 1 und hat sich seinen Platz bei Sauber redlich verdient. Wann immer er eine Möglichkeit zu überholen sieht – er versucht es…

 

 

Die Enttäuschung des Jahres:

Mercedes GP, zu Begin der Saison noch locker immer unter den ersten 10, fuhr man bei Mercedes stetig rückwärts und das mit einem 7 maligen Weltmeister an Bord. Erst als man aufgehört hatte zu entwickeln um sich auf 2011 zu konzentrieren lief es wieder besser. Man musste mit dem was man hatte das Beste herausholen, was offensichtlich besser gelang als erwartet. Wie schon gegen Ende 2009 bei Brawn GP stimmte die Basis des Autos nicht und die Fahrer bekamen die Reifen nicht richtig zum Arbeiten. Dass es Michael Schumacher noch immer drauf hat, sah man auf Rennstrecken wie Spa, Suzuka und Interlagos. Da zählt der Fahrer mehr als das Auto. Ich erwarte mir für 2011 eine deutliche Steigerung.

Strecke des Jahres:

Ohne Zweifel Südkorea in Yeongam. Buchstäblich in letzter Sekunde fertig geworden, haben sich die Asiaten keine Blösse gegeben und ehrgeizig mit viel Manpower einen Grand Prix über die Bühne gebracht – alle Achtung. In Zukunft soll es dort sogar ein Stadtkurs sein, wenn links und rechts der Strecke Wolkenkratzer entstehen sollen.

 

 

Mann des Jahres:

Nico Rosberg: Er gilt ohnehin als einer der schnellsten Fahrer in Feld, aber wie er einen Michael Schumacher abgeledert und mit 14:5 im Trainingsduell besiegt hat, ist schon vom Feinsten! Viel wurde im vergangenen Winter über Nico Rosberg und Michael Schumacher diskutiert. Wie wird sich der junge Deutsche gegen den Rekordweltmeister schlagen? Das Generationenduell jung gegen alt wurde ausgerufen. 19 Rennen später ist klar: Rosberg hat den Altmeister klar in den Schatten gestellt. Der 25 Jährige kletterte dreimal auf das Podest und hat 142 Zähler im Gegensatz zu deren 72 von Schumacher geholt – also doppelt so viele. Mit der Leistung gegen den Rekordweltmeister hat Rosberg seinen Ruf gefestigt, denn schliesslich wurde Schumacher noch nie von einem Teamkollegen so unter Druck gesetzt. Das macht mich neugierig auf die kommende Saison…

Szene 2010:

Der wohl ungewöhnlichste Unfall der Formel 1 Geschichte, als bei Buemi in Shanghai zeitgleich beide Forderradaufhängungen förmlich explodieren. Zum Glück blieben alle Beteiligten unverletzt!

 

 

 

 

Der Aufreger des Jahres:

Rubens Barrichello greift in Ungarn mit frischen Reifen Michael Schumacher an, dieser drückt ihn förmlich an die Wand. Ohne nachzugeben bleibt Rubens voll am Gas und presst sich nur Zentimeter an der Boxenmauer vorbei. Bei 300 Km/h!!! So verscherzt sich Schumacher bald alle Sympathien bei den Fans – kein Wunder gehen seine silbernen Fan Artikel so gut wie gar nicht…

 

 

Flop des Jahres:

Ausgerechnet im entscheidenden Moment die falsche Entscheidung getroffen zu haben, kostet Ferrari den Weltmeistertitel in der Fahrerwertung. Die Taktik beim Letzen Rennen des Jahres immer auf Webber ausgerichtet und nach vorne den Überblick zu verlieren schmerzt. Selbst wenn Alonso an Petrov vorbei gekommen wäre, Kubica wäre die nächste gelbe Wand gewesen und schlussendlich war auch noch Rosberg da, an dem er nie und nimmer vorbei gekommen wäre. Es nicht das erste Mal, dass die Italiener einen Elfmeter verschossen haben. Weiter geht’s mit der

Überraschung des Jahres

Das Renault Team, zwar über weite Strecken mit Kubica ein Einmann Team, dennoch ist der etwas plumpe, oftmals als dicker Willi von Biene Maya belächelte schwarz gelbe Renault die Überraschung des Jahres. Das kürzeste Auto im Feld hat besonders in Monaco vorzüglich funktioniert und gegen Ende der Saison mit neuem F-Schacht war er eines der schnellsten Autos auf der Geraden. Mit zwei ebenbürtigen Fahrern wäre eine deutlich bessere Platzierung in der Teamwertung gelungen, ja sogar noch vor Mercedes GP.

 

Zahl des Jahres

700.000 Reifen produzierte Bridgestone in 14 Jahren für die Formel 1. Sayonara…

 

 

 

 

Superlative des Jahres:

Abu Dhabi, was dort entstanden ist, lässt sich wohl so schnell nicht mehr überbieten. Wo ehemals eine Steinwüste war, entstand die in jeglicher Hinsicht die beeindruckendste Rennstrecke der Welt. Alleine das Yas Marina Hotel hat 600.000.000 US Dollar verschlungen. Beenden möchte ich da, wo ich angefangen habe, mit dem

 

 

Team des Jahres:

Red Bull: Gewinnt ein Team sowohl die Fahrer als auch die Teamweltmeisterschaft, erübrigt sich die Frage, welches Team wohl das Team des Jahres ist. In 15 von 19 Rennen stand ein Red Bull auf der Pole Position. Sebastian Vettel hatte die meisten Führungsrunden 2010, er hat noch nie zwei Rennen hintereinander gewonnen, ausser in Brasilien und Abu Dhabi, noch nie gab es 9 Fahrer, die die Meisterschaft angeführt hatten und erst zwei Mal in der Geschichte ist einer Weltmeister geworden, der in der Tabelle nicht 1. oder 2. war. Zuletzt 2007 Kimi Räikkönen, ein weiteres Mal in der Urzeit der Formel 1. Die 10 ist Sebastians Nummer: 10 Pole Positionen, mit dem Weltmeistertitel der 10. Sieg seiner Karriere und das ganze im Jahre 2010. Ich erkenne da so einige Parallelen mit Michael Schumacher. Vettel hat ebenfalls in seinem 3. Jahr in der Formel 1 den Titel geholt. Offiziell ist Sebastian Vettel nach Michael Schumacher der 2. Deutsche Formel 1 Weltmeister. 1970 wurde der in Mainz geborene Jochen Rindt Weltmeister, er fuhr jedoch mit österreichischer Lizenz und wird deshalb von der obersten Motorsportbehörde FIA als Österreicher betrachtet. Noch immer kann ich es nicht richtig glauben, was Vettel da erreicht hat. Red Bull – verleit Flügel…

Liebe Leser, ich habe irgendwie ein komisches Gefühl im Bauch und denke dass noch eine Bombe platzen wird. Ferrari traue ich grundsätzlich alles zu. So wie sie Kimi Räikkönen abgeschoben haben, könnte das ebenso mit Felipe Massa passieren. Dann beginnt das grosse Sesselrutschen und alles ist möglich… Kubica soll bereits einen Vorvertrag von Ferrari in der Tasche haben. Wir werden sehen…

Blättern Sie ruhig mal rein in unser Archiv, dort sind alle Berichte von 2010 nachzulesen.

Eine schöne Zeit, bleiben Sie gesund und vielleicht sehen wir uns ja 2011 wieder. Sollte es Neuigkeiten geben – halte ich Sie auf dem Laufenden… begebe mich aber nun wie die Formel 1 in die Winterpause. Die sogenannte saure Gurken Zeit ohne Racing.

Keep racing © f1tommy, 2010