Die Luft wird dünner im Kampf und die Fahrer Weltmeisterschaft, liebe Motorsport Fans. Jenson Button hat bereits schon resigniert, er glaubt nicht mehr daran, dass er seinen Titel noch verteidigen kann. Er tippt auf Sebastian Vettel als seinen Nachfolger. Beim Grand Prix von Südkorea gastiert die Formel 1 erstmals in diesem asiatischen Land. Der Korean International Circuit liegt in der Region South Jeolla, rund 400 Kilometer entfernt von Koreas Hauptstadt Seoul. Der 5,621 Kilometer lange Kurs wurde von Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke (wer sonst?) aus Aachen entworfen und gilt mit einem Fassungsvermögen von 130.000 Zuschauern als größte Sportstätte des Landes. Der Grand Prix von Korea 2010 ist das 300. Formel 1 Rennen für Mercedes seit 1954. “Das Rennen auf dem neuen Kurs in Korea wird eine spannende Herausforderung”, sagt Nico Rosberg. “Die Bilder von der Anlage sind beeindruckend und ich hoffe nur, dass der erst kürzlich verlegte Asphalt hält. Es ist immer interessant, eine neue Strecke kennenzulernen und meistens finden wir rasch einen guten Speed. Ich freue mich auf das Wochenende.” “Erstmals in diesem Jahr fahren wir auf einer Strecke, die nicht nur für mich, sondern für alle Fahrer Neuland ist”, freut sich Teamkollege Michael Schumacher. “Der erste Grand Prix von Südkorea wird für jeden in der Formel 1 eine vollkommen neue Erfahrung und unser Team begrüßt dieses neue Rennen im Kalender”, stimmt Norbert Haug zu. “Die Veranstalter erlebten eine schwierige Zeit, um die Anlagen gemäss des ursprünglichen Plans fertig zu stellen, doch nun gibt es grünes Licht. Wir freuen uns auf ein spannendes erstes Rennen auf diesem neuen Kurs in Yeongam.“ Ich denke nicht nur das Mercedes Team… Der zweimalige Champion Fernando Alonso muss in Korea die Lücke zu Spitzenreiter Webber schliessen und reist deshalb noch früher an, um auf dem neuen Kurs als erstes zu wissen was Sache ist. In Suzuka war er bereits am Mittwoch vor Ort zur Streckenbesichtigung – zu Fuss! Auf dem neuen Südkorea Kurs wird er laut Stefano Domenicali noch früher als sonst anreisen. Pole beim Streckenstudium sozusagen. Völlig anders ist die Lage bei Red Bull. Bei Meetings und Briefings sitzen die beiden Speerspitzen Webber und Vettel längst nur noch an den Enden des langen Tisches und würdigen sich kaum eines Blickes. Zwischen den beiden ist das Tischtuch wohl endgültig zerschnitten. Das bringt Team Chef Christian Horner in eine verzwickte Lage. Zwischen Webber und Vettel zu sitzen, heisst für ihn mittlerweile zwischen Hammer und Ambos geraten zu sein. Die letzte Frage bevor die Motoren zu dröhnen anfangen ist: Hält der Asphalt? Herman Tilke im Interview hat da keine Bedenken. Es ist ein neuartiger Polymer verstärkter Asphalt, damit er schnell zäh und haltbar wird. Aufgebracht erst vor einer Woche. Dennoch glaubt er, dass die Strecke zu Begin sehr rutschig sein wird…

Freies Training:

Laut Boulevardpresse droht ein Chaos Rennen in der Formel 1. Nachdem Sebastian Vettel auf der Strecke einen ca. 10cm langen Nagel gefunden hatte, krochen am Donnerstag Schlangen über die Strecke. So lauten die Schlagzeilen. Ich sehe allerdings ein anderes Bild. Hut ab, was den verantwortlichen in Südkorea gelungen ist. Eine Punktlandung im wahrsten Sinne des Wortes. Alles ist in letzter Sekunde fertig geworden und wir sehen einen tadellosen Zustand der Strecke. Die Boxeneinfahrt allerdings scheint brandgefährlich zu sein. Sie beginnt exakt auf der Ideallinie. Bernd Mayländer, der Fahrer des SC Cars, testet die Auslaufzone. Er verbremst sich und schiesst mit dem SLS über die Streckenbegrenzung hinaus. Ob gewollt oder nicht bleibt offen. Die Sonne scheint und der Himmel ist wolkenlos bei 19°C. Erstaunlich viel Verkehr gleich am Anfang, selbst McLaren ist mit dabei. Jaime Algersuari beklagt sich im Team Radio: „Sehr schmutzige und rutschige Strecke…“ Wie in Zeitlupe sind die Boliden unterwegs, eine gezeitete Runde gibt es aber trotz regem Verkehr zunächst keine. 2.16.178 lautet die erste Zeit von HRT. Die Simulation hat eine Bestmarke um die 1.45 ergeben. Michael Schumacher setzt eine 1.53.458 im ersten Versuch bei noch gut einer Stunde Fahrzeit. Die 1.45.723 sehen wir schon recht schnell, gefahren von einem Red Bull (Webber) bei noch 54 Minuten auf der Uhr! Sky Experte Marc Surer meint: „Es wird wohl eine 1.40 werden.“ Er gibt der Strecke eine 9 von 10 möglichen Punkten und meint: „Wir haben einen McLaren Sektor, einen Red Bull Sektor und einen Ferrari Sektor – was will man mehr.“ Vettel ist schnell auf P1 mit 1.43.599 – doch Button kontert mit 1.43.096! Noch 23 Minuten Restzeit und bei Bruno Senna bricht im schnelle „S“ hinten links die Aufhängung. Jedoch sind glücklicherweise die Auslaufzonen gross genug und Senna kommt ohne einzuschlagen zum Stillstand. Hamilton fährt nur eine Installationsrunde, dann wir an seinem Fahrzeug geschraubt und geschraubt, es bleibt nicht mehr viel Zeit übrig, um eine Abstimmung herauszufahren. Hülkenberg im Williams geht zwischenzeitlich an die Spitze mit 1.42.678! Zehn Minuten verbleiben für Lewis Hamilton, um sich mit der Strecke anzufreunden. Er knallt eine unglaubliche 1.40.887 in den Asphalt und bleibt am Ende auf P1! Dahinter Kubica, Rosberg, Vettel, Button und Schumacher. Gleichbleibend gute Bedingungen am Freitagnachmittag bei 23°C. Ebenfalls reger Verkehr gleich zu Begin im 2. freien Training. In den ersten 15 Minuten sind 13 Fahrzeuge innerhalb von 2 Sekunden. Angeführt von Alonso mit 1.40.167, gefolgt von Rosberg, Barrichello, Massa und Kobayashi. Die beiden Red Bull haben noch keine Zeit gesetzt. Bei Red Bull fährt Mark Webber vermutlich ohne hinteren Stabilisator. Sein Fahrzeug ist in den Kurven permanent nur auf 3 Rädern unterwegs und er kann damit die 3. Zeit realisieren. So ein ungewöhnliches Bild habe ich noch nie gesehen. Permanent ist das kurveninnere Vorderrad stehend in der Luft. Yamamoto dreht sich und bleibt auf der Ideallinie stehen. Der Motor ist aus und Abbruch bei 1:03 Restzeit auf der Uhr. Im freien Training tickt die Uhr aber bei Rot weiter. Nach 8 Minuten Unterbrechung geht es weiter. Renault mit Kubica hat den besten Top Speed mit 315 Km/h. Mittlerweile sieht man deutlich, dass die Strecke viel mehr Grip bietet als am Vormittag. Auffällig ist, seit Mercedes aufgehört hat zu entwickeln, läuft es besser. Schumacher setzt die bis dahin beste Zeit mit 1.40.009, es sind noch 48 Minuten übrig. Vettel ist noch nicht auf der Strecke – seine Zeit fehlt noch. Button unterbietet die Schumacher Zeit um 0.003 Sekunden. Vettel geht bei Halbzeit mit weichen Reifen raus, während bei Button in der Box die Feuerlöscher zum Einsatz kommen. McLaren meldet Überhitzungsprobleme, nicht die Bremsen und nicht der Motor. Die weichen Reifen bei Vettel bieten eine 1.39.204 und  P1. Mark Webber kommt mit harten Reifen bis auf 0.027 Sekunden an die Vettel Zeit heran. Auch Michael Schumacher kann eine Zeit unter 1.40 realisieren und ist auf P3. Noch eine gute halbe Stunde ist zu fahren. Jetzt setzt McLaren eine Duftmarke mit 1.38.922 – bis dahin die Bestzeit. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Webber kontert mit 1.38.839, kurze Zeit später Hamilton mit 1.38.279 und plötzlich wacht auch Felipe Massa auf mit P2. Alonso lässt das nicht auf sich sitzen und schiebt sich zwischen Hamilton und Massa. Webber dreht sich bei seinem Versuch mit den weichen Reifen, kann dann aber wenig später die Bestzeit setzen und bleibt als einziger unter der 1.38er Marke. Gegen Ende des 2. freien Trainings werden Tests gefahren mit vollem Tank. Deutlich langsamerer Rundenzeiten. Webber vor Alonso, Hamilton, Kubica, Button, Massa und Vettel lauten die Top 7. Michael Schumacher ist mit 316 Km/h der schnellste auf der Geraden. Der Auftakt der Formel 1 in Südkorea verlief für Sebastian Vettel nicht ganz wunschgemäss. Schuld war ein Reifenproblem. “Es lief nicht ganz so gut. Wir hatten im zweiten Training schon in der ersten Runde mit den harten Reifen einen Plattfuss”, erklärte er bei ‘Sky’. “Damit wussten wir, dass es in Kompromiss wird. Wir mussten dann früh raus mit den weichen Reifen, das war wohl zu früh, die Strecke war noch nicht ganz bereit. Dann waren einige Kilometer zu viel auf den Reifen. Das hat man dann bis zum Ende gemerkt.” “Der erste Sektor gefällt mir wegen der langen Geraden gar nicht, die tut uns nicht gut”, warf er ein. “Aber sonst macht es hier ziemlich viel Spass. Gerade der hintere Teil ist ganz gut.” Das HRT Team wurde wegen eines Zwischenfalls im zweiten Freien Training in Yeongam zu einer Geldstrafe in der Höhe von 5.000 US-Dollar (umgerechnet knapp 3.600 Euro) verdonnert. Die Crew hatte Sakon Yamamoto aus der Box losfahren lassen, obwohl noch ein Reifenwärmer am Auto hing. Der löste sich in der Boxenausfahrt, wo ihn zwei Mechaniker regelwidrig abholen mussten. Artikel 23.1.j des Sportlichen Reglements besagt: “Es obliegt der Verantwortung des Teilnehmers, das Auto nach einem Boxenstopp nur dann freizugeben, wenn es sicher ist.” Ausserdem notierten die vier Rennkommissare um Ex Pilot Alan Jones Verstösse gegen die Artikel 30.7 und 30.9. HRT kann gegen die Entscheidung Protest einlegen. Der Samstagvormittag beginnt eher verhalten bei 19°C und trockenen Bedingungen. Dafür sind schon erstaunlich viele Zuschauer auf den Tribünen, was mich etwas wundert, denn das 3 Tage Ticket kostet 600.- €, während die Lebenshaltungskosten sehr bezahlbar sind. Eine Dose Bier kostet ungerechnet ca. 0,40.- € und ein wirklich feudales Abendessen in einem Restaurant ist für ca. 15.- € zu haben. Es sind 20 Minuten vergangen und Algersuari setzt mit 1.45.671 die erste Zeit. Sutil hat einen irren Quersteher, er rutscht quer über die Wiese, wirbelt enorm viel Staub und Dreck auf, kommt zurück auf die Strecke und fängt sein Fahrzeug ab. Ich denke mal, dass er jetzt wach ist… Bei Halbzeit ist noch keines der Top Teams auf der Strecke. Es sind überhaupt erst 11 Fahrer mit einer Zeit  unterwegs. Alonso setzt sich bei 26 Minuten mit 1.40.795 an die Tabellenspitze. Button kontert und ist 0.001 Sekunden schneller. Vettel, Rosberg und Schumacher sind die letzten ohne Zeit bei 22 Minuten übriger Zeit. In den letzten 5 Minuten sind dann alle draussen und versuchen mit weichen reifen die beste Zeit zu fahren. Vettel schmeisst seinen Red Bull beinahe weg, kann ihn aber gerade noch einfangen. Kubica setzt sich zunächst an die Spitze vor Button und Hamilton. Am Ende sind im letzten Test vor dem Abschlusstraining sind die ersten 4 Fahrer innerhalb 0,087 Sekunden. Kubica bleibt vorne, dahinter Hamilton, Alonso und Webber. Rosberg ist mit 0,275 Sekunden Rückstand auf P5, Massa, Button, Hülkenberg, Schumacher und Sutil sind die restlichen der Top 10. In Turn 16 hat man vom einen Extrem auf das andere Extrem umgebaut. Wo zunächst ein Loch war, ist jetzt ein Betonhügel aufgeschüttet, was den Fahrern Kopfzerbrechen breitet. Bei Vettel passt gar nichts zusammen. Für ihn notieren wir nur sie 16. Zeit… Mark Webber wird in der Qualifikation und Rennen auf seinen letzten neuen Motor zurückgreifen. Damit dürfte Webber auf den langen Geraden etwas besser unterwegs sein. Der Red Bull Pilot ist der einzige aus der Riege der fünf verbliebenen Titelkandidaten, der noch auf frische Power setzen kann – sowohl Fernando Alonso (Ferrari), Jenson Button (McLaren), Lewis Hamilton (McLaren) als auch Sebastian Vettel (Red Bull) müssen im Endspurt der Saison mit gebrauchten Aggregaten auskommen. Ganz problemlos verlief der Auftakt für Webber aber auch nicht.

Abschlusstraining:

Hochspannung im Kampf um die besten Startpositionen bei 22°C und Sonnenschein. Alle 5 Titelkandidaten habe die Chance auf die Pole Position. McLaren muss eigentlich einen Doppelsieg einfahren, um noch bis zuletzt um den Titel zu kämpfen. Aber auch Renault war im freien Training erstaunlich schnell und könnte den Favoriten die Suppe versalzen. In einer guten Stunde werden wir es wissen. Gleiches Bild wie fast überall, die 3 neuen Teams und überraschend ein Force India (Liuzzi) fallen in Q1 raus. Die Aussentemperatur steigt auf 27°C an. Button beklagt sich auf dem Weg zurück in die Box, die Reifen nicht auf Temperatur zu bekommen. In Q2 entscheidet sich, wer kommt unter die besten 10. Im ersten Schuss sind beide Red Bull vorne. Vettel vor Webber. Dahinter die beiden Ferrari mit Alonso vor Massa. Noch 6 Minuten und jeder hat noch einen Versuch für die Top 10 zu qualifizieren. Draussen sind momentan beide Sauber, Sutil, Petrov, Hülkenberg und beide Toro Rosso. Es bleibt dabei, die zu letzt genannten sind draussen. Während sich an der Spitze die beiden Ferrari und zum Schluss wieder die beiden Red Bull etablieren. In Q3 geht es jetzt um alles oder nichts. Wer von den Titelkandidaten die Nerven verliert ist raus. Es ist irre schwer, die Pole vorherzusagen. Dramatik pur, Herzschlagfinale und Vettel holt die Pole Position vor seinem Teamkollegen Webber. Dahinter Alonso, Hamilton, Rosberg, Massa, Button, Kubica, Schumacher und Barrichello. Rosberg setzt den Top Speed Wert auf 320 Km/h. Nach dem heutigen Qualifying in Yeongam hatte sich Rubens Barrichello lautstark über einen angeblichen “Bremstest” seines ehemaligen Teamkollegen Michael Schumacher beschwert. Tatsächlich stellte sich bei der nachträglichen FIA Untersuchung heraus, dass Barrichello zwischen den Kurven zehn bis 14 vom Mercedes Piloten aufgehalten wurde. Die vier Rennkommissare um den früheren Formel 1 Weltmeister Alan Jones ließen jedoch Gnade walten und sprachen lediglich eine Verwarnung aus – möglicherweise vor dem Hintergrund, dass Barrichello trotz der Blockade in Q2 ins Top 10 Qualifying einzog und die Aktion somit keinen unmittelbaren Einfluss auf das Ergebnis hatte. Zudem entschuldigte sich Schumacher beim Brasilianer. Nicht einmal eine Verwarnung gab es für Nico Rosbergs Aktion während des dritten Freien Trainings, die Fernando Alonso zur Weissglut brachte: Der Mercedes Pilot hatte den Ferrari des Spaniers zwischen den Kurven 14 und 15 übersehen und zwang Alonso zu einem scharfen Bremsmanöver. Aus Sicht der Rennkommissare war dies jedoch kein strafbares Verhalten. Sehr wohl strafbar dafür die Geschwindigkeitsübertretung von Adrian Sutil: Der Force India Fahrer wurde während des Qualifyings beim ersten Rausfahren aus der Box mit 108,9 anstatt der erlaubten 100 km/h “geblitzt” und muss dafür 1.800 Euro Strafe überweisen. Zum Schluss noch eine Zahl: Der Unterschied zwischen keinem Grip auf der Strecke und Grip, beträgt sage und schreibe 40,593 Sekunden!!! Das ist die Differenz zwischen Pole Position und der allerersten gefahrenen Rundenzeit vom Freitagvormittag.

Höhepunkte des Rennens:

Regen und 19°C über der Strecke in Yeongam. Die meisten Teams, wie auch Red Bull fahren zum Vorstart zwei Runden. Ein Mal mit Intermediate Reifen und ein Mal mit Vollregenreifen. Welcher Reifen ist der richtige? Wird hinter dem SC Car gestartet? Viele Fragezeichen vor dem Rennen. Wir sehen auch den einen oder anderen Dreher, wie Massa im Ferrari, oder Glock im Virgin. Es soll in der ersten viertel Stunde des Rennens erneut regnen. Die Tribünen sind brechend voll und seit 9 Uhr früh Ortszeit ist das Umfeld der Strecke fünfspurig im Stau. Spannung pur auf alles was jetzt kommt. Die Rennleitung hat nun entschieden, den Start um 10 Minuten zu verschieben und dass hinter dem SC gestartet wird. Also muss mit Vollregenreifen gefahren werden. Start: Vettel bleibt logischerweise in Führung. Runde 4: Der Regen ist zu stark, die Fahrer sehen gar nichts mehr. Die Rennleitung bricht den ersten Startversuch ab. Runde 18: Restart: Nach 14 endlosen Runden hinter dem SC ist die Strecke weit genug abgetrocknet, um ein Rennen zu ermöglichen. Los geht’s! Vettel hält die Führung, Schumacher geht an Kubica vorbei, Rosberg an Hamilton. Mercedes hat in der Pause die Autos auf Regen abgestimmt. Das scheint sich jetzt auszuzahlen. Runde 19: Webber wirft das Auto weg! Der WM Leader dreht sich wie in Zeitlupe in die Mauer und ist draussen. Beim Zurückrollen nimmt er unglücklich auch noch Rosberg mit, der unschuldig auf P4 ausscheidet. Wieder kommt das SC raus. Runde 24: Wieder der Restart: Vettel kommt erneut gut weg und hat Luft auf Alonso. Das reicht auch am Ende der gefürchteten langen Geraden. Runde 32: Buemi kracht in Glock und löst die nächste SC Phase aus. Vettel und Alonso bleiben auf den Regenreifen draussen, alle anderen dahinter kommen direkt zum Stopp und wechseln auf Intermediates. Runde 33: Vettel und Alonso kommen an die Box. Bei Vettel geht alles glatt, er behält die Führung. Aber bei Alonso klemmt es vorne rechts, sein Mechaniker verliert die Radmutter, die sich Richtung Nachbarbox auf den Weg macht. Er verliert Platz zwei an Hamilton. Runde 35: Wieder mal Restart: Vettel macht es wie immer sehr gut und hat Luft. Hamilton rutscht in Kurve eins geradeaus und muss seinen gewonnenen Platz gegen Alonso gleich wieder hergeben. Runde 46: Vettel geht der Motor hoch! In Führung liegend wird er plötzlich langsam, der Red Bull raucht. Alonso geht vorbei, Vettels Heck brennt. Das war’s! Vettels WM Hoffnungen explodieren, Red Bull erlebt ein großes Desaster. Die Mechaniker bei McLaren springen auf, jubeln, liegen sich in den Armen und freuen sich. Das ist weder sportlich noch fair!  Ziel: Alonso gewinnt und übernimmt die WM Führung. Er und Ferrari haben an diesem schwierigen Sonntag alles richtig gemacht und nun beste Chancen auf dem Titel. Nach dem Rennen wurden Sutil und Buemi bestraft. Adrian Sutil und Sebastien Buemi hatten in Südkorea eines gemeinsam: Beide beendeten ihr eigenes Rennen mit einer Kollision. Sutil riss mit seinem Force India den Kontrahenten Kamui Kobayashi im Sauber zwar nicht mit ins Aus, sein Rennen aber war beendet. Buemi wiederum verbremste sich und rauschte in den gerade einlenkenden Timo Glock im Virgin – hier war für beide das Rennen vorbei. Die beiden Verursacher der Kollisionen bekamen nun nach dem Rennen noch Strafen aufgebrummt. Im Falle von Buemi muss der Toro Rosso Pilot in der Startaufstellung beim kommenden Grand Prix in Sao Paulo fünf Plätze zurück. Sutil erhielt die gleiche Strafe – aber dabei blieb es nicht. Er hatte im Rennen Bremsprobleme. Und da er trotz dieser Probleme so aggressiv fuhr, gab die Rennleitung noch 10.000 US Dollar (knapp 7.150 Euro) oben drauf.

Fazit:

Aus 5 Titel Kandidaten sind 4 geworden. Button hat zwar rein rechnerisch noch die Chance, seinen Titel zu verteidigen, er ist aber denke ich aus der Entscheidung draussen. Aber auch Fernando Alonso kann noch Probleme bekommen, wenn er den 9. Motor einsetzt… Zwei Autos in der ersten Startreihe, null Punkte daraus gemacht. Einen grösseren Verlierer als Red Bull in diesem Rennen kann man sich kaum vorstellen. Rechnerisch ist noch nicht alles verloren, aber dieses Desaster kann den WM Titel bei den Fahrern gekostet haben.

Fussnote:

Schnellste erste Rennrunde hinter SC: 2.46.413 HEI dann Rennabbruch. Schnellste erste Rennrunde nach Neustart mit SC: 2.40.286 LIU in Runde 5, schnellste erste Rennrunde ohne SC: 1.57.805 VET in Runde 18, schnellste Rennrunde: 1.50.257 ALO in Runde 42 von 55

Mann des Rennens:

Kann nur Fernando Alonso sein. Sieg bei der Premiere in Korea, Führender in der Meisterschaft und möglicherweise bald der jüngste 3 Fach Weltmeister in der Geschichte der Formel 1…

Pechvogel des Rennens:

Ohne Zweifel Sebastian Vettel. Er hat alles richtig gemacht. In Führung liegend mit Motorschaden auszuscheiden ist bitter. Anstelle die Führung in der Meisterschaft zu übernehmen, gibt es 0 Punkte und 25 Punkte Rückstand auf Alonso. Es ist fast unglaublich, wie viel Pech er dieses Jahr schon hatte. 75 Punkte bleiben allein durch technische Gebrechen liegen.

Flop des Rennens:

Jenson Button: Ein Titelkandidat ist aus dem Rennen und es ist ausgerechnet der Titelverteidiger. Button hat sich durch seinen zu frühen Wechsel auf Intermediates selbst aus dem Rennen genommen. Danach hing er hinter einer Kampfgruppe im Mittelfeld fest und verlor Zeit ohne Ende. Buttons WM Chancen waren ohnehin nur noch theoretisch, jetzt braucht er mit 42 Punkten Rückstand ein Wunder.

Randbemerkungen:

Auch bei der Formel 1 Premiere in Südkorea gibt es für die FIA Stewards hochkarätige Unterstützung: Nach den Ehemaligen Weltmeistern Emerson Fittipaldi, Nigel Mansell und Damon Hill wird diesmal der Champion der Saison 1980, Alan Jones, als vierter Rennkommissar fungieren und bei strittigen Rennsituationen sein Know how als ehemaliger Rennfahrer einbringen.

Nachtrag aus Suzuka:

Die Gründe für die wegfliegenden Räder bei Nico Rosberg und Robert Kubica in Suzuka wurden gefunden – An der Sicherheit wurde bereits nachgebessert. Herumfliegende Räder können ganz schnell zu einer Gefahr für Fahrer, Streckenposten und Zuschauer werden. Deshalb schreibt die FIA seit vielen Jahren Halteseile vor, damit die Reifen im Falle eines Unfalls nicht unkontrolliert herumfliegen. Da in diesem Jahr nicht mehr nachgetankt wird, hängt die Standzeit beim Boxenstopp von der Zeit des Reifenwechsels ab. In meiner Vorschau auf 2010 erwartete ich Boxenstopps unter 3 Sekunden. Zuletzt in Suzuka gab es dann wieder Probleme mit den Rädern. Robert Kubica rollte bereits in der dritten Runde aus, nachdem sich das rechte Hinterrad gelöst hatte. Das passierte zum Glück bei langsamer Fahrt während der SC Fase. Später erwischte es auch Rosberg, dem in den schnellen Kurven hinter den Boxen das linke Hinterrad abhanden gekommen war. Ein heftiger Unfall war die Folge. Sowohl Renault als auch Mercedes konnten nicht sofort die Ursache für die Defekte finden. Das linke Hinterrad hatte alle Teams in Suzuka vor Probleme gestellt. Aufgrund der vielen schnellen Rechtskurven, konnte man nach 53 Runden bei den meisten Autos die Radmutter rechts hinten relativ leicht von der Felge drehen. Ein Sicherheitsrisiko, bei der am Limit gebauten Formel 1. Speziell bei Rosberg konnte ein Montagefehler ausgeschlossen werden, denn er hatte seinen Stopp bereits in Runde eins absolviert. Bis zum Unfall waren 46 Umläufe vergangen. Eine Materialermüdung? Nicht ganz, denn das Problem ist auf die verwendeten Materialien und wie sie aufeinander wirken zurückzuführen. Die Radnabe ist aus Titan, die Felge aus Magnesium und die Radmutter aus Stahl. Stahl wird deshalb verwendet, weil sich die Mutter beim Reifenwechsel schneller auf das Gewinde schrauben lässt. Titan und Stahl reagieren aber unterschiedlich bei Hitze. Durch die Dauerbelastung und der Fliehkräfte, wurde die Radmutter immer weiter nach außen gedrückt. Wenn die Sicherheitsvorkehrungen auch nicht mehr greifen, dann fliegt das Rad einfach ab. Mercedes verwendet ab Südkorea Radmuttern aus Aluminium. Der Sicherungsmechanismus wurde ebenfalls modifiziert. Haarscharf am gleichen Defekt schrammte Nick Heidfeld vorbei. Der Sauber Pilot war in den letzten Runden in Japan etwas langsamer unterwegs und lies auch seinen Teamkollegen ohne großer Gegenwehr vorbei. Der Grund für die defensive Fahrweise: Das linke Hinterrad wurde nur noch von den Sicherungsstiften gehalten. Im Anschluss an das Rennen konnte der Reifen mit blossen Händen auf dem Radträger bewegt werden! Bei Renault war Unachtsamkeit, beziehungsweise menschliches Versagen für den Defekt verantwortlich. Es war etwas Schmutz zwischen die Felge und der Radnabe geraten. Die Radmutter konnte nicht perfekt angezogen werden. Die Sicherungsstifte konnten deshalb auch nicht richtig sitzen, was den Mechanikern aber nicht auffiel. Deshalb war der Radverlust nur eine Frage der Zeit. Auch Renault hat reagiert. Die Sicherungen wurden verbessert. Ebenso werden die Radmuttern kontrolliert, sobald sie am Vorstart montiert sind.

Ab 2013 soll es im Hause Honda Überlegungen geben, in die Formel 1 zurückzukehren. Ob nur als Motorenlieferant, oder erneut mit eigenem Team ist noch offen. Fakt ist jedenfalls, das Honda einen der besten jemals gebauten Turbomotoren hatte, damals noch mit 1,5 Liter Hubraum hatte man die 80ziger dominiert und zahlreiche Weltmeisterschaften mit verschiedenen Teams gewonnen. Ab 2013 soll in der Formel 1 mit 1,6 Liter Turbomotoren gefahren werden. Mit dem so genannten Weltmotor, der universal in mehreren Rennserien eingesetzt werden kann. Es ist ein 4 Zylinder V-Motor. Ob dieser Motor tatsächlich kommt, wird zwischen den Teams und der FIA heftig diskutiert…

BMW kommt zurück, allerdings nicht in die Formel 1, sondern ab 2012 in die DTM. Mit dem M3…

Das Safety Car der Formel 1, den Mercedes SLS AMG gibt es jetzt auch als reinrassigen Rennwagen in der GT3 Klasse. Nachdem er beim ersten Renneinsatz nur wenige Meter kam und in der ersten Kurve rausflog, haben Thomas Jäger und Christoph Haase bereits im zweiten Rennen am 16.10.2010 beim VLN Lauf zur Langstreckenmeisterschaft in Nürburg den ersten Sieg eingefahren und Seriensieger Porsche geschlagen!

So weit aus Korea, am 07.11. findet das vorletzte Rennen in Brasilien (Sao Paulo – Interlagos) statt.

Keep racing © f1tommy, 2010