Sauber-Pilot Pedro de la Rosa über seine Rückkehr in die Formel 1, das Zwischenfazit nach Valencia und das neue Streckenlayout in Silverstone.

Seit dieser Saison zählt Pedro de la Rosa wieder zum Stammpersonal der Formel 1. Bis vor wenigen Monaten war der spanische Rennfahrer noch als Testpilot bei McLaren aktiv, wurde 2010 bei Sauber aber wieder in die erste Reihe befördert. Rückblickend gesteht de la Rosa: Aller Anfang ist schwer, wenn man wieder in die Formel 1 zurückkehrt. In seiner Medienrunde spricht der 39-Jährige unter anderem über seine Erwartungen sowie über die neuen Safety-Car-Regeln in der „Königsklasse“.

Frage: „Pedro, das BMW Sauber F1 Team konnte in Valencia eine solide Vorstellung zeigen. War es wichtig für das Team, wieder einmal ein gutes Ergebnis zu holen? Dein Punkt wurde dir ja nachträglich wieder weggenommen…“
Pedro de la Rosa: „Gegen die Strafe kann ich freilich nichts ausrichten. Positiv zu vermerken ist allerdings, dass ich in die Punkteränge vordringen konnte – und zwar egal, was danach passiert ist.“

„Besonders dank Kamui konnte das Team einige Zähler holen. Für uns ist wichtig, das Wochenende mit einem so guten Resultat beschlossen zu haben. Speziell, weil uns klar war, dass Valencia ein schwieriges Pflaster für uns darstellen würde. Insgesamt bin ich also zufrieden mit diesem Ergebnis. Ich freue mich nun schon auf das Fahren in Silverstone.“

„In Bezug auf meine Bestrafung ist freilich nichts zu wollen. Ich persönlich hätte aber 20 Sekunden veranschlagt, denn das würde einer Durchfahrtsstrafe entsprechen. Es gab jedenfalls Gründe, weshalb neun Fahrer die vorgegebene Zeit nicht eingehalten haben. Ich konnte diese Rundenzeit beispielsweise gar nicht sehen.“

Frage: „Wo hast du dich auf der Strecke befunden, als die entsprechende Meldung einging?“
De la Rosa: „Ich bog gerade in den schnellen Abschnitt ein. Mein Ingenieur rief mich in die Box und ich sah das Safety-Car nicht einmal. Es ist mein Fehler, denn die vorgegebene Zeit wird dir auf deinem Lenkraddisplay angezeigt. Wenn du aber gerade in einer schnellen Sektion der Strecke unterwegs bist, dann braucht es halt eine gewisse Zeit, bis du auf dein Display schauen kannst.“

Sind die neuen Regeln eine Verbesserung?

Frage: „An diesem Wochenende wird es in Bezug auf die vorgegebene Rundenzeit unter Safety-Car-Bedingungen eine Änderung geben: Diese Zeit orientiert sich nun an der Geschwindigkeit des Safety-Cars…“
De la Rosa: „Davon habe ich schon gehört. Ich finde, darüber muss man sich intensiv unterhalten. Beim vergangenen Rennen haben neun Fahrer den gleichen Fehler gemacht.“

„Das sollte man im Hinterkopf haben. Wir sahen die vorgegebene Rundenzeit einfach nicht und waren daher etwas schneller unterwegs. Es könnte allerdings sehr gefährlich werden, wenn einer die Situation erkennt und vom Gas geht, wohingegen seine Hintermänner noch voll am Gas sind. Es besteht aber die Möglichkeit, eine Funkwarnung einzuführen. Darüber sprechen wir im Augenblick.“

Frage: „Wie würde eine solche Einrichtung funktionieren?“
De la Rosa: „Der Fahrer würde per Funk ein bestimmtes Tonsignal erhalten. Dieses Signal würde den Piloten eben davon in Kenntnis setzen, dass das Safety-Car aktiviert und auf die Strecke beordert wurde. Alleine darauf sollte man sich aber nicht verlassen. Man stelle sich einmal vor, das Signal würde fälschlicherweise aktiviert und alle machen langsam.“

„Aus diesem Grund haben wir uns eigentlich gegen ein Audiosignal entschieden. Schon ein kleiner Elektronikfehler könnte dich halt viel Zeit kosten. Von außen betrachtet mag das alles vielleicht recht einfach aussehen, doch das ist es gewiss nicht. Die neun betroffenen Fahrer haben das ja nicht absichtlich gemacht. Ich war bei meiner Einfahrt in die Boxengasse lediglich 2,8 Sekunden zu schnell.“

Frage: „Wäre es nicht am sichersten, die Boxengasse zu schließen, wenn das Safery-Car auf die Strecke einbiegt?“
De la Rosa: „Das wäre jetzt natürlich problemlos möglich, weil Nachtanken nicht mehr erlaubt ist. Schade wäre nur, dass man damit sämtlichen interessanten Strategien einen Riegel vorschieben würde. Die Rennen würden recht langweilig werden. In meinen Augen bringt das Safety-Car eine gewisse Spannung mit sich. Die cleveren Jungs – oder manchmal auch die glücklichen – können davon profitieren.“

De la Rosa sorgt sich um die Bodenwellen

Frage: „Sprechen wir über Silverstone: Wie wird sich das Auto auf dieser Strecke verhalten?“
De la Rosa: „Ich denke, wir sollten hier etwas konkurrenzfähiger sein als bei den vergangenen Rennen in Kanada und Valencia. Das liegt ganz einfach daran, dass dieser Kurs unserem Auto einen Tick mehr entgegen kommt. Es gibt viele schnelle Kurven und das sind unsere Stärken. Ich bin aus diesem Grund schon sehr gespannt auf dieses Rennen.“

Frage: „Silverstone hat sich allerdings etwas verändert. Wie stehst du zum neuen Layout der Rennstrecke?“
De la Rosa: „Das Layout ist recht nett. Davon konnte ich mich schon am Donnerstag bei einer Erkundungstour überzeugen. Es sieht soweit ganz gut aus, nur ist es eben noch sehr schmutzig. Ein Fragezeichen stellen in meinen Augen noch die Bodenwellen dar. Bevor man da nicht in der richtigen Renngeschwindigkeit darüber hinweg gefahren ist, kann man aber nicht viel dazu sagen.“

„Ich gehe jedenfalls davon aus: Es wird weiterhin sehr schwierig sein, ein Überholmanöver zu setzen. Wir sind noch immer in Silverstone. Der Charakter der Strecke hat sich ja nicht verändert. Es gibt nur zwei langsame Kurven, der Rest besteht im Prinzip aus langen Geraden. Da tut man sich schwer, nahe genug an den Vordermann heranzukommen. Ich denke also, wir haben es immer noch mit den gleichen Schwierigkeiten zu tun.“

Frage: „Könnte eine unterschiedliche Linienwahl hilfreich sein?“
De la Rosa: „Das könnte klappen. In Kurve 13 kannst du vielleicht eine andere Linie wählen, um in Kurve 14 einen Vorteil auf der Bremse zu haben. Überholen ist in dieser Passage dennoch nicht gerade einfach, denn sonderlich viel Beschleunigung hast du zwischen den genannten Kurven halt nicht. Ich kann mich für die Arbeiten an der Strecke begeistern, doch manche Stellen sollte man möglicherweise noch einmal überdenken.“

Frage: „Um welche Passagen geht es dabei?“
De la Rosa: „In Kurve zwei hat man einen recht hohen Randstein hingesetzt. Das ist gefährlich, denn wenn du an dieser schnellen Stelle dein Auto verlierst, wirst du automatisch in die Luft katapultiert. Noch ist es freilich ziemlich früh, um ein genaues Urteil abzugeben, doch das ist mir halt aufgefallen. Der Rest ist okay. Mir gefällt der Kursverlauf.“

Wie lange dauert die Eingewöhnung?

Frage: „Wie schwierig war es eigentlich für dich, ein Comeback zu wagen? Speziell in der Formel 1 dürfte das nicht gerade einfach sein…“
De la Rosa: „Es ist nicht einfach, ständig auf höchstem Niveau unterwegs zu sein. Du bist ziemlich schnell ganz gut dabei, doch mir fällt das Ganze im Saisonverlauf immer leichter. Nach nur drei bis vier Rennen kannst du schlichtweg noch nicht auf der absoluten Höhe deiner Leistung liegen.“

„Mein Gefühl sagt mir: Um wirklich wieder dorthin zu gelangen, brauchst du vielleicht ein komplettes Jahr. Gleichwohl muss ich hinzufügen, dass ich im Augenblick auf einem guten Niveau unterwegs bin. Ich war aber auch ständig in Kontakt zur Formel 1. Ich saß oft im McLaren-Simulator und hatte immerhin einige ‚reale‘ Testfahrten. Um es wirklich mit diesen Jungs aufnehmen zu können, brauchst du wahrscheinlich dennoch ein Jahr.“

Frage: „Würdest du also sagen, dass wir deine beste Form 2010 noch nicht gesehen haben?“
De la Rosa: „Ich denke schon. In Valencia war ich beispielsweise zum ersten Mal überhaupt am Start. Ich fühlte mich dort schon nach einigen Runden richtig wohl. Vielleicht liegt das daran, dass ich mich schneller anpassen kann.“

„Möglicherweise bist du nicht schneller oder langsamer als die anderen, sondern kannst dich nur einfach besser auf Veränderungen an der Strecke oder am Setup des Autos einstellen. Das ist der kleine Unterschied. In Valencia war ich sehr stolz auf mich, denn schon nach zwei bis drei Runden war ich am Limit des Autos unterwegs. Das zeigt dir: Du bist nahe dran, dein Bestes zu geben.“

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